Jonas Burgwinkel

Source Direct

 

 

 

 

 

 

 

 

Julian Argüelles – Saxophon
Rainer Böhm – Klavier
Robert Landfermann – Bass
Jonas Burgwinkel – Schlagzeug

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Die Welt der Klänge ist eine Welt, die in uns steckt. Doch nur wenige machen sich wie Jonas Burgwinkel auf den Weg, sie zu entdecken.

Es mag abgeschmackt klingen, Musik mit Jahreszeiten zu vergleichen. Und doch ist es weder vermessen noch platt, die Debüt-CD des Kölner Schlagzeugers Jonas Burgwinkel als Frühlingsmusik zu bezeichnen. Jazz klingt oft so abgeklärt, bei dieser Einspielung aber hat man in jedem einzelnen Moment das Gefühl, da sei etwas im Entstehen, Wachsen, Blühen. Etwas, das weit über das hinausreicht, was wir hier im unmittelbaren Augenblick hören. Jonas Burgwinkel ist ein gelassener Erzähler, der sich für seine Geschichten alle Zeit nimmt, die er braucht, um nicht mit einem flüchtigen Plot die nächste Poente zu jagen.

Burgwinkel ist kein Neuling auf dem deutschen Jazzparkett. Kenner schätzen ihn aus zahlreichen Bands wie dem Pablo Held Trio, dem Niels Klein Quartett, dem Florian Ross Trio, aber auch aus Konstellationen mit Lee Konitz, Nils Wogram oder Simon Nabatov. Der gefragte Drummer hatte überhaupt keine Eile, die Welt mit einem Produkt unter seinem Namen zu beglücken, konnte er sich doch in all die Gruppen und Projekte mit einem Höchstmaß an kreativer Selbstbeteiligung einbringen. So gönnte er sich den Luxus, ohne jeden Druck über eine Geschichte nachzudenken, die noch nicht von anderen Musikern erzählt worden ist. Schließlich gelangte er zu sich selbst. „Einige dieser Stücke sind Wegpunkte meiner eigenen Laufbahn, die ich schon sehr lange kenne, immer mochte, aber noch nie selbst gespielt habe“, betont Burgwinkel. „Das sind Stücke aus meiner eigenen Vergangenheit, die mich auf ganz unterschiedliche Weise geprägt haben.“ Aus diesem Panoramablick auf seinen persönlichen Werdegang ergibt sich eine Zeitlosigkeit, die das Paradigma von der unbedingten Spontaneität im Jazz mit neuem Licht ausfüllt.

„Source Direct“ ist gewissermaßen ein Selbstporträt in zehn Akten. Dabei geht dem Drummer jede Prahlerei oder Selbstgefälligkeit völlig ab. Es war ihm wichtig, keine typische Drummer-Platte zu machen, bei der mal richtig Gas gegeben wird und furchtbar komplexe rhythmische Kunststückchen aufgefädelt werden. „Wer mich trommeln hören will, hat dazu auf all den anderen Platten, auf denen ich mitspiele, genug Gelegenheit“, verkündet er selbstbewusst. Er will hier zu Gehör bringen, was außerdem noch in ihm steckt, in all den anderen Jobs aber nicht hinreichend abgefragt wird.

Um für diese äußerst persönliche Geschichte vom Bekannten ins Neue aufzubrechen, umgibt er sich vor allem mit Musikern, die ihm vertraut sind. Pianist Pablo Held und Bassist Robert Landfermann sind seit vielen Jahren seine Gespielen im Pablo Held Trio. Mit Saxofonist Niels Klein verbindet ihn ebenfalls eine jahrelange Zusammenarbeit. „Warum in die weite Welt ausschweifen und nach großen Stars suchen, wenn ich hier in Köln alles habe, was ich brauche“, lautet sein Motto. „Ich habe lange über die Besetzung nachgedacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass das Rückgrat der Band aus Leuten bestehen soll, mit denen ich die stärkste musikalische Verbindung habe.“ Die Gruppe soll sich aber nicht allein auf den engen Kreis von Burgwinkels Umgebung beschränken, sondern auch neuen Impulsen öffnen. Als zusätzliche Musiker kommen Trompeter Claus Stötter und Saxofonist Julian Argüelles hinzu. In zwei Tracks steuert außerdem Tobias Hoffmann besondere Farbtöne auf der Gitarre bei.

Mit Ausnahme von Argüelles und Stötter sind alle Beteiligten eng mit Köln verbunden. Doch nicht nur in dieser Hinsicht ist die Story auf „Source Direct“ eine Kölner Affäre. Burgwinkel verbindet auch zwei wichtige Stränge der Kölner Jazz- Identität, jene introspektive Seite, die durch den Pianisten John Taylor in die Stadt getragen wurde, und den wilden Freigeist, der um die Szene des Loft weht. Die sieben Musiker müssen nie in Richtung Free Jazz ausbrechen, um die Avantgarde dennoch stets als unaufdringliche Background-Information mitzuliefern. Er ist eine Karte, die man jederzeit ziehen könnte, wenn man wollte. „Die Musiker, die hier mitspielen, sind extrem flexibel“, so Burgwinkel. „So war das auch bei der Aufnahme angelegt. Die Arrangements waren zwar zum Teil fix, aber wir wollten uns trotzdem alle Möglichkeiten offenhalten. Viele Ideen werden nicht ausgespielt, sondern nur angedeutet. Über den Stücken bleibt immer eine Art Decke, die nie alles gleichzeitig preisgibt.“ So läuft in keinem Stück die volle Besetzung auf, sondern Burgwinkel gibt jedem Song exakt, was er braucht. Mit Fabulierlust und Feingefühl variiert er seine Möglichkeiten zwischen Quartett und Sextett. Auf diese Weise betritt er ganz unterschiedliche Erzählebenen, kann in einem Track weit ausholen, um im nächsten eher kleinteilig zu bleiben.

„Source Direct“ – der Titel sagt es: Jonas Burgwinkel braucht keine Umwege, um auf den Punkt zu kommen. Er erfindet den Jazz nicht neu, und doch ist seine unbekümmerte Erzählhaltung in jeder Hinsicht erfrischend und herausfordernd kurzweilig. Als Drummer hat er gar nicht den Anspruch, ein perfekter Arrangeur zu sein, der jeden Aspekt seiner Musik bis ins kleinste ausformuliert. Seine Stücke, egal ob aus eigener Feder oder von Billie Holiday, Weather Report, Pablo Held oder Björk, sprühen von Neugier auf die unbegrenzte Welt der klangpoetischen Möglichkeiten und nicht zuletzt auf das eigene Universum. Und es bereitet Jonas Burgwinkel hörbares Vergnügen, diese Neugier an seine Hörer weiterzugeben.

Presse

“Endlich! Möchte man ausrufen. Endlich hat Jonas Burgwinkel mit “Source Direct” sein Debüt als Leader vorgelegt. Der 1981 geborene Schlagzeuger verkörpert mit seinem Spiel all die Tugenden, wie sie ein iunger Jazzmusiker besitzen sollte: frisch und unverbraucht, neugierig und wagemutig, experimentierfreudig und abenteuerlustig. Klar, Gravitationszentrum auch bei “Source Direct” ist das Trio um den Pianisten Pablo Held mit Burgwinkels Bass- spielendem Alter Ego Robert Landfermann. Die Rhythmusgruppe also, die durch viele Konzerte in den vergangenen Jahren so eng zusammengewachsen ist und in der die drei ohne Absprachen miteinander kommunizieren können. Hier kann Burgwinkel sein virtuoses, gleichermaßen hochmusikalisches wie sensibles Spiel auf dem Schlagzeug zelebrieren; wie er polyrhythmisch arbeitet, wie er zum Beispiel ternären Swing bis zur Unkenntlichkeit aufbricht, wie antizipierend, wie symbiotisch eng sein Interplay auch und gerade mit Landfermann ist. Drum herum hat er weitere Musiker gruppiert, die dem Fluss seines Modem Jazz stets neue Impulse vermitteln: die beiden Saxofonisten Julian Argüelles und Niels Klein etwa oder der Trompeter Claus Stötter und der Gitarrist Tobias Hoffmann. Doch “Source Direct” zeigt auch, was für ein klasse Komponist und Arrangeur Burgwinkel ist: Nur selten hat man zum Beispiel eine so dekonstruierte, dennoch auf den Punkt gebrachte Fassung vom Billie-Holiday-Klassiker “Don’t Explain” gehört.” Jazzthing 9/2011